Ausstellung
"Frühling im Herbst/Wiosna jesienia/Le printemps en automne"
Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830-1832.
Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen Staatliche Museen zu Berlin

in Verbindung mit dem Bundesarchiv - Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte
Verein der  
 Freunde des Museums Europäischer Kulturen

 

 Museumsveranstaltungen 


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Das Königschloss in Warschau bereitet in Zusammenarbeit mit dem Museum Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin eine Ausstellung zum 175. Jahrestag des Ausbruchs des polnischen Novemberaufstandes von 1830 vor.
Die Ausstellung, ein so genanntes Leuchtturmprojekt des "Deutsch-Polnischen Jahres 2005/2006", verweist auf Ereignisse, deren Präsenz im polnischen und deutschen kollektiven Bewusstsein heute verschwindend gering ist: Nach dem Zusammenbruch des Novemberaufstandes, als Tausende von polnischen Flüchtlingen das Vaterland verlassen mussten, erfuhren viele von ihnen in deutschen Städten und Gemeinden sehr freundliche Aufnahme und große Hilfsbereitschaft. Zugunsten der Polen wurden besondere Organisationen geschaffen, Geldsammlungen organisiert, Benefizbälle und -konzerte veranstaltet. Die Anwesenheit der polnischen Flüchtlinge in den deutschen Staaten verstärkte die dortigen liberaldemokratischen Tendenzen und Vereinigungsbestrebungen und weckte Solidaritätsgefühle, die zu den Höhepunkten in der Geschichte der polnisch-deutschen Beziehungen zählen. Die Ausstellung gliedert sich wie folgt:


1. Die polnische Vorgeschichte des Aufstandes
2. Die europäischen Revolutionen des Jahres 1830
3. Der Novemberaufstand
4. "Finis Poloniae" ("Das Ende Polens")
5. Die polnischen Flüchtlinge: Willkommen in Deutschland
6. Der Weg nach Westen: Willkommen in Europa - Wielka Emigracja (Die Große Emigration)
7. Nachwirkungen: Bildende Kunst, Musik, Literatur, Historiographie; "Sentimentales Museum"


In der Ausstellung, die von einem zweisprachigen Katalog begleitet wird, werden etwa 300 Exponate aus Deutschland, Frankreich, Polen und der Schweiz präsentiert: Malerei (u. a. das symbolträchtige Gemälde "Finis Poloniae 1831", 1832 von Dietrich Monten [1799-1843] gemalt), in Belgien, Deutschland und Frankreich entstandene Grafiken (z. B. über den Verlauf der Aufstandskämpfe im Königreich Polen), Archivmaterialien, die sowohl die gesellschaftlichen Aktivitäten in Deutschland, wie auch die offizielle Politik der damaligen deutschen Staaten dokumentieren, sowie Gedenkschriften und Presseauszüge und vieles Andere mehr. Diese Ausstellung, die auf Erfahrungen des 19. Jahrhunderts zurückgreift, bildet einen wichtigen Beitrag zur gegenwärtigen und historischen Diskussion über europäisches Bewusstsein und europäische Solidarität. Die Federführung dieser Ausstellung, die u. a. vom Auswärtigen Amt und dem polnischen Kulturministerium unterstützt wird, liegt bei Prof. Dr. Andrzej Rottermund, dem Direktor des Warschauer Königsschlosses (Zamek Królewski) und Prof. Dr. Konrad Vanja, Direktor des Museums Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin. Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung.

 

1. Einleitung

Im Jahre 1832 entstand ein klassisches Gemälde der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts: "Finis Poloniae 1831" von Dietrich Monten (1799-1843), das sich heute in der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin befindet.
Monten malte das Gemälde unter dem Eindruck des niedergeschlagenen Aufstandes der Polen gegen die zarische Fremdherrschaft und des leidvollen Exils der polnischen Truppen. Mehr als 9000 Soldaten, Politiker und Intellektuelle flohen und durchquerten Deutschland in Richtung Belgien, Frankreich, Schweiz und Großbritannien. In der direkten Konfrontation mit dem Leiden der Flüchtlinge war die Anteilnahme groß. Es kam zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen aus ganz Europa, in vielen deutschen Städten gründeten sich spontan Polenvereine. Die Polen galten als Vorkämpfer der europäischen Völkerfreiheit.
Die Begeisterung für die polnischen Freiheitskämpfer ist in Liedern, Bildern, Hilfslotterien, Reden u. a. dokumentiert.

Auf vielen Souvenirs und Gebrauchsgegenständen wie Tabaksdosen und Pfeifenköpfen findet sich das programmatische Bild von Dietrich Monten wieder.
Im Vordergrund der kleinen Ausstellung "Frühling im Herbst. Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830-1832" soll - ausgehend von dem Bild Montens - daher nicht nur das reine Aufstandsgeschehen stehen. Vielmehr wird das breite Echo dokumentiert, das das Geschehen in ganz Europa ausgelöst hat, vor allem in Polen, Deutschland und Frankreich. Durch die Zusammenschau verschiedenster kultureller Äußerungen der Zeit wird der Inhalt und der "Sitz im Leben" des Gemäldes von Dietrich Monten deutlich: Leiden, Trauer und Abschied, Solidarität und Sympathie, Neubeginn und Heimweh, vom polnischen November zum deutschen Mai und zur europäischen, insbesondere französischen Solidarität.
   

Eugène Delacroix Die Freiheit führt das Volk, 1830
Öl auf Leinwand, Musée du Louvre, Paris

2. Revolutionäre Bewegungen in Europa

Das Jahr 1830 bringt die auf dem Wiener Kongress begründete und oktroyierte Ordnung der europäischen Staatenwelt gleich an mehreren Stellen ins Wanken. Die Juli-Revolution leitet in Frankreich und Belgien die Epoche einer bürgerlichen Vorherrschaft in Form der konstitutionell-parlamentarischen Monarchie ein. Dadurch kommt auch die Entwicklung des nationalen Gedankens in Deutschland, Italien und der Schweiz wieder in Gang. Auch in Polen und Russland zeigen die Geschehnisse Wirkung.
Der Pariser Juli-Aufstand und der Sturz Karls X. am 2. August 1830 hat eine Welle revolutionärer Ereignisse zur Folge. Im August desselben Jahres

brechen in Brüssel und anderen belgischen Städten Unruhen aus, die schließlich am 4. Oktober zur Gründung und Unabhängigkeit Belgiens von den Niederlanden führen. Auch die verschiedenen Territorien Italiens und Deutschlands werden von liberalen Forderungen nach politischer Freiheit ergriffen. In Braunschweig, Hannover, Kurhessen und Sachsen kommt es zu gewalttätigen Aufständen. Dabei gewinnt die Forderung nach der politischen Einheit Deutschlands eine besondere Bedeutung.

Polen ist zu dieser Zeit als Staat nicht existent, sondern geteilt unter die Nachbarmächte Habsburg, Preußen und Russland. Im russischen Teil wachsen die Widerstände gegen die Politik von Zar Nikolaus I. Gerüchte, dass polnische Soldaten unter russischem Kommando gegen westeuropäische Revolutionäre in Frankreich und Belgien eingesetzt werden sollen, führen schließlich im am 29. November 1830 in Warschau zum Aufstand.
   
3. Der November-Aufstand in Polen 1830

Der Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit lodert auch in Polen auf, wo nach den drei Teilungen von 1772, 1793 und 1795 der Wille nach Wiederherstellung der nationalen Einheit gewachsen war. Das auf Beschluss des Wiener Kongresses 1815 entstandene "Königreich Polen" ("Kongresspolen") erhielt eine Verfassung, die einige Elemente der polnischen Mai-Verfassung von 1791 ("erste geschriebene Verfassung Europas") aufnahm, aber auch autokratische Vorstellungen des Zaren berücksichtigte und diesem direkte Interventionsmöglichkeiten bot.


Die Schlacht bei Waver 19. Februar 1831
Kolorierte Lithographie, Turgis, Paris, um 1831 Polenmuseum
   

Als der Bruder des Zaren, Großfürst Konstantin wiederholt versucht, in innerpolnische Belange einzugreifen, und auch die offene Missachtung von Verfassungsvorschriften durch den Zaren unterstützt, kommt es zu ersten Spannungen. Eine kleine Gruppe von Verschwörern, die meisten von ihnen Kadetten an der Warschauer Militärakademie, erstürmt unter der Führung von Piotr Wysocki und Józef Zaliwski, am 29. November 1830 das Arsenal und das Schloss Belvedere in Warschau. Die geplante Gefangennahme des Bruders des Zaren in Warschau scheitert. Großfürst Konstantin kann sich mit russischen Einheiten geordnet aus der polnischen Hauptstadt absetzen.
Im Februar 1831 beginnen militärische

Auseinandersetzungen zwischen der russischen Armee und polnischen Truppen, die nur etwa zur Hälfte ausgebildet waren. Nach anfänglichen kleinen Erfolgen können die Polen am 26. Februar 1831 bei Grochów vor den Toren Warschaus den Gegnern nicht standhalten. Doch wegen ihrer hohen Verluste und des einsetzenden Tauwetters kann die zarische Armee Warschau nicht zurückerobern. Unter Führung von General Jan Skrzynecki gelingt es den Polen dann im März und April in einigen Gefechten siegreich zu bleiben. Am 26. Mai 1831 erleidet die polnische Armee jedoch bei Ostroleka eine schwere Niederlage, von der sie sich nicht mehr erholen kann. Als im Juli in Litauen auch die Eroberung Wilnas scheitert, flüchten viele polnische Soldaten auf preußisches Territorium und werden dort interniert.
   

Dietrich Monten Skizze der Grenzsäule zu "Finis Poloniae, 1831"
Aquarell, um 1832, Münchner Stadtmueum
4. Finis Poloniae - Das Ende Polens
"Jeszcze Polska nie zginela - Noch ist Polen nicht verloren

Der polnische Aufstand ist noch nicht vollständig niedergeschlagen. Im Juli 1831 ist Zar Nikolaus I. kurzzeitig verhandlungsbereit, als sich in der russischen Armee die Cholera ausbreitet, der auch Großfürst Konstantin und der Oberbefehlshaber, Feldmarschall Diebitsch, erliegen.
Doch unter dessen Nachfolger Paskevic gelingt es, Warschau zu umgehen und die Hauptstadt nun auch von Westen her zu bedrohen. General Henryk Dembinski zieht die polnischen Truppen daraufhin nach Warschau zurück, was in der Stadt zu Unruhen führt (15.8.1831). Unter Leitung des eilig berufenen und mit der Fortführung des Kampfes beauftragten Jan Krukowiecki können die Polen trotz heldenhafter Verteidigung die Hauptstadt nicht mehr halten. Am 6./7. September 1831 wird Warschau durch zarische Truppen von der Weichselseite her zurückerobert. Die polnische Armee kapituliert. Einige Truppenteile flüchten in das österreichische Teilungsgebiet, etwa 20.000 Mann überschreiten am 5. Oktober 1831 die Grenze zum preußischen Territorium.

   
In den symbolischen Darstellungen vom Ende des polnischen Staates und seiner Armee spielt die Überquerung der Grenzen in die Fremde eine wichtige Rolle. Grenzsteine und Grenzsäulen zeigen symbolisch dieses Ende. Das Motiv des Abschieds, das auch Dietrich Monten aufnimmt, verbindet sich mit der Polenklage der trauernden Soldaten. "Die letzten zehn (Soldaten) vom Vierten Regiment" wurden sprichwörtlich und bezeichneten den "heiligen Rest" einer großen und tapferen Armee. Alle Schichten der Bevölkerung, selbst Frauen, hatten für die Unabhängigkeit gekämpft. Stellvertretend für viele steht der Mut der Gräfin Emilia Plater, die Kapitänin des 25. Linienregiments gewesen war. Die Tatsache, dass unter den
Aufständischen Freiwillige bäuerlicher Herkunft
eher selten waren, hinderte populäre Darstellungen nicht daran, auf das aus dem Aufstand von 1794 bekannte Wunsch- oder Idealbild der polnischen Bauern zurückzugreifen, die mit geradegeschmiedeten Sensen heroisch gegen eine vollausgerüstete russische Armee kämpften.
Trotz vieler Sympathien in Westeuropa, bei den deutschen Liberalen und in der Donaumonarchie war es den aufopferungsvoll kämpfenden Aufständischen nicht gelungen, einen schlagkräftigen Widerstand gegen die zarische Fremdherrschaft zu mobilisieren. Wenigstens beim Weg ins Exil konnte und sollte den polnischen Flüchtlingen nun wirkungsvoll geholfen werden.
   
5. Flucht und Exil

Welche Mentalität überwiegt bei den Solidaritätsbekundungen mit den polnischen Aufständischen: die antirussische oder die propolnische? Solidarität jedenfalls zeigte sich im übrigen Europa nicht nur durch Geldspenden und das Sammeln von Verbandsmaterialien oder die Hilfeleistungen zahlreicher deutscher und französischer Ärzte, die sich der Verwundeten polnischen Soldaten annahmen, sondern auch durch eine das Kampfgeschehen illustrierende Bildberichterstattung.
Im Novemberaufstand in Warschau, der in Deutschland und Frankreich lebhaftes Mitgefühl hervorrief, sah das liberale Bürgertum eine mögliche Vorentscheidung für das Schicksal Europas und Deutschlands. Durch eine Lösung des russischen Drucks auf den Deutschen Bund schienen sich die Chancen für eine Befreiung Deutschlands vom System der Restauration und die Schaffung seiner nationalen Vereinigung zu erhöhen.
Nach der Niederschlagung des Aufstandes im September 1831 durch russische Truppen und den damit verbundenen strengen

Vergeltungsmaßnahmen flohen etwa zehntausend polnische Emigranten und durchquerten Deutschland in Richtung Belgien, Frankreich und Schweiz bis hin nach Großbritannien. In der direkten Konfrontation intensivierte sich noch einmal die Solidarität mit dem Elend der Flüchtlinge. In vielen deutschen Städten gründeten sich spontan Polenvereine, die wie in Leipzig in ihrem Statut formulierten: "Soweit es die Mittel desselben (i.e. des Vereins) erlauben, soll zugleich auf die Weiterbeförderung dieser Unglücklichen nach Frankreich Bedacht genommen und dafür Sorge getragen werden." Auch auf dem Hambacher Fest 1832 wurde die polnische Delegation herzlich begrüßt und gefeiert.
In Belgien, Frankreich, der Schweiz und England bildeten sich spontan Gesellschaften, die sich um die Polen kümmerten. Paris wurde zum politischen, kulturellen und sozialen Zentrum der Emigration, die für einige Jahrzehnte den nationalen Freiheitskampf leitete. Frankreich war schon zur napoleonischen Zeit eine Schutzmacht Polens gewesen, mit der man die Hoffnung auf eine rasche Wiedergewinnung der Eigenstaatlichkeit verband.
   

Hans Mocznay
Das Hambacher Fest am 27. Mai 1832
Öl auf Leinwand, um 1977
(Nachgestaltung) Deutsches Historisches Museum Berlin
6. Deutsche Polenbegeisterung

"Nach dem Verlassen Preußens … konnte ein Pole nach Frankreich gelangen, ohne seine Geldbörse ein einziges mal zu ziehen. Aufenthalte und Übernachtungen wurden überall unentgeltlich gewährt; nachdem die Bedürfnisse der Polen gedeckt waren, schickte man sie weiter in die nächste Stadt und sang zum Abschied >Noch ist Polen nicht verloren … < An vielen Orten traf man in großer Zahl mit Polen zusammen - feierlich mit Fahnen, Gesang und Musik, Ansprachen und deklamierten Gedichten , man schoß Ehrenböller ab und rief: >Es lebe Polen! Es lebe die Freiheit! Hinweg mit den Tyrannen!<" Lubomir Gadon, Historiograph der polnischen Emigration

   
Den Höhepunkt der Welle von politischen Kundgebungen bildete im Mai 1832 das Hambacher Fest auf der Maxburg bei Neustadt an der Haardt (heute Neustadt/Weinstr.). Diese wohl erste deutsche Massenkundgebung mit über 25.000 Teilnehmern, war zugleich auch der Zenit des deutschen Polenenthusiasmus der Jahre 1831/32. Auf den Zinnen der Hambacher Schlossruine war neben den schwarz-rot-goldenen Farben die polnische Flagge und die französische Tricolore gehisst, und das Polenthema beherrschte die Reden: "Denn ohne Polens Freiheit keine deutsche
Freiheit! Ohne Polens Freiheit kein dauernder Friede, kein Heil für alle andern europäischen Völker! ..."rief der Dürkheimer Bürger Fitz in seiner Rede am 27. Mai aus. Während der Feierlichkeiten ergriffen auch mehrere Polen das Wort, um den deutschen Patrioten für ihre Gastfreundschaft zu danken und von den Drangsalen der Kämpfe zu berichten.
Noch in den europäischen Revolutionskämpfen von 1848 engagierten sich viele polnische Offiziere als Anführer der aufständischen Truppen.
   
7. Aufgenommen in Frankreich und Europa
Polen und die europäische Solidarität

Der Zug der Flüchtlinge - darunter führende Historiker, Literaten, Musiker, Politiker und Vertreter des Hochadels - bewegte sich vor allem nach Frankreich, aber auch nach Italien und in die Schweiz, nach Großbritannien und Belgien. Paris wurde zum Zentrum des polnischen Exils. Die Emigranten wurden zunächst allerdings über ganz Frankreich verstreut, in Lagern zusammengefasst und aus Angst vor politischer Radikalisierung streng kontrolliert.
Doch der polnische Patriotismus blieb auch im Exil lebendig. Politische und ideologische Konzeptionen

zur Befreiung des Heimatlandes wurden entwickelt. Aber auch die Uneinigkeit der Vorstellungen über die Gestaltung eines unabhängigen Staates blieb erhalten. Monarchistische Pläne ("Die Weißen" im Hôtel Lambert unter Führung von Fürst Adam Czartoryski) konkurrierten mit demokratischen ("Die Roten"; Joachim Lelewel). Wohl am wirkungsvollsten warben Adam Mickiewicz (u. a. "Bücher der polnischen Nation und der polnischen Pilgerschaft, 1832" und "Pan Tadeusz", 1834) und Frédéric Chopin mit seinen Kompositionen um französische und europäische Sympathien für ihr geteiltes Land.
   

7. 1. Polenlieder (Tonsäule)

Nicht nur in der Populargrafik, sondern auch in anderen Bereichen der Künste schlugen sich die Ereignisse in Polen nieder. Die Polenlieder wurden sprichwörtlich und waren allgemein verbreitet. War schon der Text des aus Breslau stammenden Karl von Holtei von 1825 "Denkst du daran, mein tapferer Lagienka" damals in aller Munde, so auch nach 1832 das Lied von Julius Mosen "Die letzten Zehn vom 4. Regiment", sowie "Der polnische Verbannte" oder das schon Ende des 18. Jahrhunderts verfasste Nationallied "Noch ist Polen nicht verloren". Neben der Aufnahme dieser Lieder in die studentischen Kommersbücher wurden nach ihren Melodien auch Gelegenheitsgedichte

musikalisch untermalt. Noch in der zu späterer Zeit entstandenen kriminalistischen Erzählung "Unterm Birnbaum"(1885) von Theodor Fontane schlägt sich dessen vielfache Berührung mit dem Polenthema nieder, so dass selbstverständlich in einer Wirtshausrunde Polenlieder angestimmt wurden.
In der deutschen zeitgenössischen Lyrik hatten sich Georg Herwegh, August von Platen, Ludwig Uhland oder Nikolaus Lenau ebenso engagiert des polnischen Schicksals angenommen wie in der Musik Richard Wagner, der mit seiner "Polonia-Ouverture" polnische Lieder und Tänze zur Grundlage seiner Komposition nach dem Ereignis von 1831 machte.
   

8. Dietrich Monten: Finis Poloniae 1831

Das kleinformatige (44,2 x 52,5 cm) Historienbild von Dietrich Monten (1799-1843) "Finis Poloniae 1831" entstand 1832 unter dem Eindruck des niedergeworfenen Aufstandes von Warschau, das zum Auszug der geschlagenen polnischen Truppen führte.
Erfasst wurde von Monten der Moment des Abschiedes der polnischen Soldaten an der Grenze nach Preußen. Er malte eine Szene verzweifelter, aber stolzer Soldaten, die sich zu verschiedenen Gruppen formierten und deren Dreh- und Angelpunkt der Grenzstein nach Preußen ist. Die Dramatik zeigt sich gleich einer Golgatha-Szene in ihrem gestalterischen Aufbau.
Montens Bild hält nur scheinbar eine realistische Szene fest. Trotz aller Nähe zum Ereignis von 1831 handelt es sich doch um eine symbolische Bildkonstruktion. Der Reiter auf dem Schimmel im Zentrum der Szene ist mit dem Portrait des legendären Fürsten Józef Antoni Poniatowski (geb. 1763) versehen, der beim Rückzug der napoleonischen Truppen 1813 in der Elster bei Leipzig ertrunken ist. Auch die Inschrift auf der Grenzsäule ist im Rahmen der polnischen Historienlegende ähnlich zu deuten: "Finis

Poloniae" soll der letzte polnische Oberbefehlshaber Tadeusz Kosciuszko (1746-1817) ausgerufen haben, nachdem im Oktober 1794 seine polnischen Truppen bei Maciejowice der russischen Armee unterlegen waren und er selbst in Gefangenschaft geriet. 1795 folgte die dritte Teilung Polens. Seitdem begleitet dieser Ausruf die als Martyrium gedeutete Geschichte Polens bei allen folgenden markanten politischen Einschnitten.
Im Kontext dieser Ereignisse ist das Bild von Dietrich Monten entstanden und selbst wieder zum Ausgangspunkt zahlreicher popularisierender grafischer Nachbildungen geworden: nicht nur durch exakte Reproduktionen des Gemäldes als kolorierte Lithographien, sondern vor allem auch als stoffliche Umformulierungen von Bildelementen, die Montens Darstellung direkt entnommen wurden. Es entstanden herausgelöste Teile als "Der Polen Abschied" und als weibliche Pendants die "Trauernden Polinnen" in polnischer Tracht. Außerhalb des populären Wandbildschmuckes findet sich Montens "Finis Poloniae" in Bildausschnitten und Bilderweiterungen auf den klassisch biedermeierlichen Accessoires wie Schmucktassen, Tabaksdosen und Porzellanköpfen von Tabakspfeifen wieder.
   

9. Ausblick und Dank

Im Januar 1831 organisierte die "Patriotische Gesellschaft" im aufständischen Warschau eine große Prozession zum Andenken an die hingerichteten oder nach Sibirien verbannten aufständischen russischen Offiziere von 1825 ("Dekabristen") und trug dabei Schilder mit der Aufschrift:

"Für unsere und eure Freiheit".

Diese Losung gilt für die polnische Freiheitsbewegung und ihre europäischen Sympathisanten zumindest bis 1848, in Polen darüber hinaus bis zum Scheitern des

Januaraufstandes 1863/64. Und sie soll auch der Titel einer großen Ausstellung sein, die in den Jahren 2004 und 2005 in Warschau, Berlin, Brüssel, Paris, Straßburg und an weiteren Orten in Europa die politischen Vorstellungen polnischer, deutscher und französischer Demokraten über ein zu gründendes Europa freier Völker dokumentieren wird. Vorstellungen, die schon 1848/1849 ihr vorläufiges Ende fanden.
Über die Anfänge dieser Bestrebungen und ihre Auswirkungen in Polen, Deutschland und Frankreich sowie über den polnischen November, den deutschen Mai und das Europa der Nationen bis zum Jahre 1832 soll in dieser kleinen Ausstellung informiert werden. Dietrich Montens Gemälde "Finis Poloniae 1831" von 1832 ist dafür ein idealer Ausgangspunkt.

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