Goerd Peschken, Der Anfang der Backstein-Neuromanik,
in: Ernst Badstübner, Uwe Albrecht (Hrsg), Backsteinarchitektur in Mitteleuropa,
Berlin 2001

Das Bauwerk "ist in programmatischer Rundbogen-Architektur gehalten. Die Giebelbau Richtung Oder trägt kolossale Blendarchitekturen über Lisenen, unter allen Traufen läuft ein Rundbogenfries. Die breiten Lisenen wirken freilich sehr klassizistisch. Der Bogenfries und die 'basilikale Form' des 'Langhauses' aber weisen zunächst auf ein romanisches Vorbild. Die Okulusfenster im 'Obergaden' scheinen zunächst ein Rückgriff auf die barocke Tradition; in dessen sind gerade sie es, die gestatten, das romanische Vorbild genau zu bestimmen, nämlich das Langhaus der Nikolaikirche vor [sic! - Zu.] an der Havel. Romanische Okuli sind sonst in der Mittelmark nicht bekannt. ...
Bauherr des Molkehauses war Friedrich Bernhard v. Prittwitz, ein Landwirtschaftsreformer. Architekt war der junge Schinkel. Baujahr ist 1802 oder 1803.
Von heute her gesehen ist das Molkehaus der erste Bau der europäischen Neuromanik. Schinkel ... hat später seinem Biographen Gustav Friedrich Waagen gegenüber das Molkehaus den erheblichsten Bau seiner frühen Jahre genannt ..."


Gustav Friedrich Waagen, Carl Friedrich Schinkel als Mensch und Künstler,
in: Berliner Kalender auf das Schalt-Jahr 1844, hrsg. von der Königl. Preussischen Kalender Deputation, S. 321

"Auch in den benachbarten Quilitz (jetzt Neu=Hardenberg), damals dem Herrn v. Prittwitz gehörig, fand Schinkel als Architekt Beschäftigung und eine sehr freundliche Aufnahme. Ein Wirthschaftsgebäude von bedeutendem Umfang auf dem Vorwerk Bärwinkel, welches dort noch vorhanden, ist nach eigenem Urtheil Schinkels unter diesen seinen frühesten Bauten der erheblichste und von eigenthümlicher Anlage."

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