Begrüßung durch den Museumsdirektor Prof. Dr. Konrad Vanja

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Festakt zum 10-jährigen Bestehen des Museums Europäischer Kulturen
3. Juli 2009, 18.00 Uhr

Exzellenzen, sehr geehrte Herren Generaldirektoren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Freunde des Museums Europäischer Kulturen, verehrte Festgemeinde!

10 Jahre Museum Europäischer Kulturen gilt es heute zu bilanzieren: am 24. Juni 1999 wurde unser Museum unter der Ägide des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, und auf Initiative des Generaldirektors der Staatlichen Museen zu Berlin, Wolf-Dieter Dube aus der Taufe gehoben. Eröffnet wurde es mit einer großen und lange nachwirkenden Ausstellung "Faszination Bild - Kulturkontakte in Europa" meiner Vorgängerin Erika Karasek, die leider heute nicht dabei sein kann. Ein neues Museum bereicherte die Staatlichen Museen und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Kulturgeschichtlich-volkskundliche Sammlungen beider Teile des geteilten Berlins kamen ebenso erstmals greifbar zusammen wie die Ethnologischen Sammlungen aus Europa, die das damalige Museum für Völkerkunde über einhundert Jahre beherbergt hatte. Ein ungewöhnlicher und sicherlich auch gewagter Weg stand vor uns! Dennoch, schon die erste Ausstellung "Faszination Bild" wies einen breiten Weg nach Europa: Das gesamte Spektrum der europäischen Bildkulturen hatten wir vor uns, das es in Beispielen für die Zukunft zu pointierten und zu präsentieren galt. Unserem Haus sollte das freilich nicht schwer fallen: bedeutende, über einhundertzwanzig Jahre alte Sammlungen, die teilweise noch aus der Kunstkammer des Stadtschlosses stammten, und ein engagiert arbeitendes Haus bewältigten diesen Einstieg. Die Idee hatte gegriffen: Europa galt es zu entdecken, wie es unsere letzte Dauerausstellung titelte. Die Gründung des Museums Europäischer Kulturen war ein Programm. Das Museum widerspiegelt die museologische wie fachwissenschaftliche Notwendigkeit unserer Zeit, neue Fragen an unsere Sammlungen zu stellen, wie auch neue Fragen unserer europäischen Gesellschaft aufzugreifen. Sicherlich gab es am Anfang unserer Gründung auch Kritik: zu einer Schaubühne der Europäischen Union, gleichsam als eine Dependance politischer Institutionen würde sich dieses Haus entwickeln! Ich glaube jedoch, dass in den letzten zehn Jahren gezeigt werden konnte, wie ein Museum Europas politische und gesellschaftliche Themen durch eine ethnologische und kulturhistorische Perspektive auf die öffentliche Bühne bringen kann, ohne plakativ und tagespolitisch zu argumentieren. Wir haben dafür ein wichtiges Instrument: unsere Sammlungen, die mit ca. 270.000 Objekten zu den verschiedenen Kulturen Europas ein materielles Gedächtnis der Entstehung der Moderne und der Gegenwart sind. Wir haben ein weiteres wichtiges Medium für diese Arbeit gehabt: die intellektuelle Dynamik zweier verschiedener Fächer: Ethnologie und Europäischer Ethnologie/Volkskunde mit ihren ethnographischen und kulturgeschichtlichen Perspektiven und Forschungsmethoden. Last but not least, stand uns eine engagierte professionelle Gemeinschaft der Museen und Forschungsinstitute in Europa zur Verfügung.

Geleitet hat unsere Arbeit in diesen 10 Jahren die Idee von Europa als kulturwissenschaftlichem, politischem, wissbegierig machendem und leidenschaftlichem Objekt, das wir auf die Bühne unseres Hauses getragen haben: Faszination Bild, Die Stunde Null - ÜberLeben 1945, Europa entdecken. Dann die Sonderausstellungen Finis Poloniae und Europäische Solidarität, MigrationsGeschichten in Berlin, KinderMobil, die auch in Bremen so erfolgreich war, Deutsche in Ungarn - Ungarn in Deutschland, Rumänien Blickpunkt, Begegnungen aus dem Donaudreieck, Solidarnosc 1830 mit dem Königsschloss von Warschau, letztere war eine Ausstellung, die zu den Leuchttürmen des Deutsch-Polnischen Jahres 2005/2006 zählte! Und natürlich unsere europäischen Kulturtage als Kennzeichen und Marke des Hauses: sie brachten unsere alten Sammlungen zum Leuchten in die Gegenwart, dies gemeinsam mit europäischen Partnern und unseren Besuchern: sie interessierten sich für Venedig, Estland, Kroatien, Polen, Rumänien, für die Sami, die Tataren und für unsere Ehrengäste des heutigen Abends, die Sarden vom Mittelmeer.
Die Feier des 10-jährigen Jubiläums begehen wir mit der Ausstellung "Tuchintarsien aus Europa von 1500 bis zur Gegenwart", die in der großen Ausstellungshalle der Museen Dahlem - Kunst und Kulturen der Welt gezeigt wird.

Das Museum Europäischer Kulturen hat seinen Weg nicht allein gefunden: Partnerschaften in Deutschland und in Europa waren ebenso bedeutsam wie die neugewachsene Zusammenarbeit unserer Kulturinstitutionen in Berlin. Einen Aspekt möchte ich erwähnen: Wir haben uns in den vergangenen Jahren der Thematik des Universalmuseums gewidmet.-Es war und ist die große Chance der Verschiedenartigkeit der einzelnen Häuser mit ihrer Farbigkeit und auch ihrer eigenen Ästhetik, die sie dem ganzen Ensemble in den Staatlichen Museen geben können. Ausstellungen der Staatlichen Museen wie "Schönheit", "Das ABC der Bilder" oder "Kreis, Kugel, Kosmos" zeugen ebenso davon wie "Babylon - Mythos und Wahrheit". Ich frage umgekehrt: Wo wären die Staatlichen Museen ohne ihre Sammlungen der europäischen Alltagwelt, wo ohne die Sammlungen einer "Kultur der Vielen" im Spiel einer gesellschaftlichen Zivilisationsgeschichte? Die Idee einer interdisziplinären Verbindung zwischen Kunst, Kultur und empirische Anthropologie und deren Objekte, die Notwendigkeit, dass Museen komplexe Fragen über die Gesellschaft und ihre Geschichte stellen, wird die Aufgabe für die Zukunft sein.

Daher noch vier Hinweise, auf welchen Wegen wir uns in Zukunft bewegen wollen:
Der erste und wichtigste Weg ist sicherlich der nach unsrer Wiedereröffnung nach der "Funktionsertüchtigung" in Dahlem 2011 die Vorbereitung unseres zukünftigen Standortes auf dem Kulturforum am Potsdamer Platz gemeinsam mit den dortigen Museen der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte.

Der zweite Weg gehört dem intensiven wissenschaftlichen Austausch in den Netzwerken: Wir schaffen Wissen durch unsere Sammlungen, unsere Ausstellungen und unsere restauratorischen Leistungen; wir nehmen an verschiedenen Projekten teil, publizieren; organisieren Tagungen, Kollegen und junge Promovenden kommen in Austauschprogrammen zu uns.

Ein dritter Weg gilt der Bewahrung der Objekte, die wir in unseren Ausstellungen erschließen oder gezielt als wichtige Leihgaben zur Verfügung stellen. Unser Ziel wird es auch sein, die Sammlungen weiter zu entwickeln. Mit neuen Strategien des Sammelns, um Gegenwart und Vergangenheit zu befragen und zu erschließen. Die Forschungsprojekte der letzten Jahre etwa im Bereich der Migrationsforschung, daran sei hier erinnert, waren immer auch mit gezielten Sammlungsaktionen verbunden!

Ich freue mich, dass wir auf diesem Weg nach Europa in den letzten 10 Jahren viele Freunde gewinnen konnten: in den Staatlichen Museen zu Berlin und den Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in den Berliner Museen sowie im Rahmen des Föderalen Programms der SPK in Deutschland und darüber hinaus. Auf unserer "Außenstelle" mit dem Kloster Stift zum Heiligengrabe sind wir besonders stolz. Wichtiger Förderer war immer der Verein der Freunde des Museums Europäischer Kulturen: Hilfreich ist er uns zur Seite gesprungen, wenn es galt, Ausstellungen und Publikationen für das Museum zu finanzieren, kulturgeschichtliche Objekte zu erwerben oder zu restaurieren oder Abende, wie den heutigen zu gestalten oder auch einfach, Ehrenamtlich zu helfen! Einen herzlichen Applaus erbitte ich für dieses großartige Engagement!
Unserer Stiftung wie auch den Staatlichen Museen ist Dank zu sagen für eine nachhaltige Kooperation: unsere bedeutendste Erwerbung in diesen vergangenen 10 Jahren; die Sammlung Naiver Kunstwerke aus Polen von Hans-Joachim und Christina Orth konnte mit Hilfe der Botschaft der Republik Polen, von Berthold Beitz, der Dresdner Bank und einem unbekannten großzügigen Spender der Kulturstiftung der Länder sowie den Staatlichen Museen zu Berlin erworben werden. Hier gilt es dem Sammlerehepaar, stellvertretend Frau Christina Orth, die heute bei uns ist, und auch den Sponsoren herzlich zu danken.

Repräsentanten unserer weit reichenden Beziehungen, auch unsere heutigen Redner gehören dazu: Krzystzof Pomian, der Historiker der Geschichte des Europäischen Museums und zugleich Direktor des Musée de l'Europe aus Brüssel, Paris und Thorun, Wolfgang Kaschuba als Direktor unseres Institutes für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und zugleich Vorsitzender unseres Museumsvereins und last but not least Jürgen Trabant von der Jacobs-Universität Bremen und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dessen innovatives Rektorat des Studienkollegs zu Berlin der Studienstiftung des deutschen Volkes so manche Vielfalt Europas uns hat entdecken lassen. Ihnen allen sei schon jetzt sehr herzlich für Ihre Freundschaft und die Begleitung auf unseren Wegen durch Europa gedankt, natürlich auch all denjenigen, die uns Glückgewünscht haben und heute nicht dabei sein können. Lassen Sie mich zu unserem Grundgedanken zurückkehren: die Idee der Kulturkontakte in Europa wird uns noch lange begleiten und uns eine Wegleuchte für die Zukunft bleiben.

Herzlichen Dank dafür allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dies alles in den vergangenen 10 Jahren ermöglicht haben, und Ihnen, meine Damen und Herren, liebe Freunde, dass Sie uns in dieser Zeit verbunden waren! Bleiben Sie uns auch in den kommenden Jahrzehnten treu! Herzlichen Dank!

Konrad Vanja ist Direktor des Museums Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

 

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