Grußworte
Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba, Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie - Humboldt-Universität zu Berlin und Vorsitzender des Vereins der Freunde des Museums Europäischer Kulturen

Verein der 
 Freunde des Museums Europäischer Kulturen
 Programm

Vorträge
Workshops
Europäischer Ostermarkt
Vereinstermine auf einen Blick

 Neuigkeiten
 Spenden für Erwerbungen
                & Restaurierungen
 Veröffentlichungen
 Schreiben Sie uns doch!
 Antrag auf Mitgliedschaft
 Satzung des Vereins

oooooooooooooooooooo

 

Festakt zum 10-jährigen Bestehen des Museums Europäischer Kulturen
3. Juli 2009, 18.00 Uhr

Liebe Gäste, liebe Freunde des Hauses, liebe MEX,

ich hoffe, dieses Kürzel klingt nicht zu despektierlich als Bezeichnung für die Jubiläums-Frau- und Mannschaft.

Ich darf gleich dreifache Glückwünsche überbringen: zunächst die der Humboldt-Universität, dann natürlich die des Vereins der Freunde des Museums Europäischer Kulturen schließlich auch die Glückwünsche des Instituts für Europäische Ethnologie.

Die letzteren sind die Grüße Eurer Berliner Schwesterinstitution. Wobei wir natürlich deutlich festhalten müssen, dass wir die ältere Schwester sind. Ihr seid erst 10 Jahre alt, wir schon bald 15! Wir haben die Pubertät bald hinter uns, Euch steht sie noch bevor. Aber immerhin - das hörten wir ja gerade von Herrn Eissenhauer - könnt Ihr die Pubertät dann in einem neuen Kinderzimmer durchleben. Dafür viel Glück!

Im Rückblick betrachtet war dies eine sehr kluge Entscheidung Ende der 1990er Jahre, den Namenswechsel vom Museum für Deutsche Volkskunde zum Museum Europäischer Kulturen zu vollziehen. Denn dies signalisierte zugleich einen Paradigmenwechsel von einer engeren deutschen zu einer weiter gespannten europäischen Perspektive, in der vor allem auch transnationale und interkulturelle Horizonte eine wesentliche Rolle spielen. Klug war die Entscheidung mit Blick auf die Geschichte, bei dem uns immer wieder deutlich wird, wie sehr die deutsche Geschichte stets auch eine europäische ist - gerade auch in ihren dramatischen und tragischen Momenten. Und klug war die Entscheidung auch im Blick auf die Zukunft, denn dort wird klar, wie sehr diese Horizonterweiterung ins Europäische übergreifende und kulturvergleichende Ausblicke ermöglichen wird.

Wenn nicht hier, in Berlin, wo dann hätte solch ein neuer Kurs eingeschlagen werden sollen? Ein neuer Kurs für die volkskundlichen Museen wie für das Fach insgesamt. Und dieser neue Kurs wurde ja auch in der Tat mit einem "europäischen" Programm begonnen - etwa mit Ausstellungen zur europäischen Migration, zu Deutschland und Polen im Vormärz, zu den europäischen Grenzen oder zu europäischen Weihnachtsbräuchen.

Damit sind Wegemarkierungen gesetzt worden. Nun geht es darum, die Weichen für das nächste Jahrzehnt zu stellen - für ein Jahrzehnt, das mit dem Umbau des Museumsgebäudes und mit der Neuausrichtung seiner Ausstellungen beginnt. Damit ist ein doppeltes Programm zu bewältigen: Einerseits muss Europa in seinem Inneren neu vermessen werden, in seinen europäischen Bildern, Gedächtnissen und Alltagen, die sich dramatisch verändert haben und weiter verändern. Wenn wir nur an die "Grenze" als Merkmal und Symbol europäischer Landschaft denken. Daran, dass sie stets jene europäische Differenz verkörperte, die ein nationalistisches Europa eben auch immer repräsentierte. Dann wird jenes "andere" europäische Erbe deutlich. Niemand hat dies scharfsinniger und spielerischer zugleich in einen Text gebracht als Aristide Briand, der französische Außenminister und Ministerpräsident nach dem Ersten Weltkrieg, der schrieb:

Ein Russe - ein Intellektueller
Zwei Russen - ein Ballet
Drei Russen - die Revolution

Ein Italiener - eine Mandoline
Zwei Italiener - die Mafia
Drei Italiener - die Niederlage

Ein Deutscher - ein Pedant
Zwei Deutsche - eine Kneipe
Drei Deutsche - der Krieg

Ein Franzose - ein Schwätzer
Zwei Franzosen - ein Paar
Drei Franzosen - eine Konferenz

Ein Engländer - ein Schwachkopf
Zwei Engländer - ein Match
Drei Engländer - die größte Nation der Welt

Ein Amerikaner - ein Cocktail
Zwei Amerikaner - zwei Cocktails
Drei Amerikaner - drei Cocktails

Andererseits wird es darum gehen, Europa in seine Außenwelten einzuordnen: mit an den Neubestimmungen der Positionen jenes Europa zu arbeiten, das sich noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert als ein "Weltdeutungszentrum" verstanden hatte. Diese Arroganz ist uns mittlerweile verloren gegangen - dafür haben wir neue Beziehungen und Austauschverhältnisse gewonnen. Durch Migration, Mobilität und Kulturtransfer leben wir heute in der Tat vermehrt in hybriden, transnationalen und interkulturellen gesellschaftlichen Landschaften, in denen die Grenzen zwischen dem vermeintlich Eigenen und dem Fremden verwischt sind. Das Programm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Museen wieder stärker auch in Forschungsfeldern zu engagieren und dafür gerade auch das Humboldt-Forum zu nutzen, ist gewiss ein Schritt in die richtige Richtung. Und ich bin mir sicher, dass gerade auch die Auseinandersetzung mit diesem Humboldt-Forum ein wesentliches Anliegen des Museums Europäischer Kulturen sein muss.

In diese neuen Innen- wie Außenhorizonte Europas wird sich also das Museum Europäischer Kulturen in den nächsten Jahren einbringen. Dabei wird es noch mehr Kooperationen im europäischen Raum geben als bisher und auch noch mehr Kooperationen mit der Wissenschaft - also auch mit uns. Deshalb: liebe MEX - mutig durch die Pubertät! Auf die nächsten 10 Jahre!

Wolfgang Kaschuba

P.S.: Ältere Schwestern sorgen ja auch in Sachen Lektüre für die jüngeren. Deshalb darf ich als Jubiläumsgabe einen kleinen Band zum Thema "Ethnografisches Wissen" überreichen, der zum einen auch Autorinnen und Autoren meines Instituts versammelt, zum anderen zugleich auch eine Glückwunschkarte ist: alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts haben darin unterschrieben.

Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba ist Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie - Humboldt-Universität zu Berlin und Vorsitzender des Vereins der Freunde des Museums Europäischer Kulturen

 

>>> zurück zum Programm

o oooooooooo  
>>>     Museum
Europäischer Kulturen
 
                                         zurück zur Startseite